Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) und die Leiter der Arzneimittelagenturen (HMA) haben eine gemeinsame Warnung veröffentlicht: Die Zahl illegaler Arzneimittel, die als GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid, Liraglutid und Tirzepatid zur Gewichtsreduktion und Diabetesbehandlung vermarktet werden, ist in der EU stark gestiegen. Parallel dazu hat die britische Arzneimittelbehörde MHRA im Januar 2026 die Sicherheitshinweise zu schweren Pankreatitis-Risiken für alle GLP-1-Präparate verschärft.
Was genau ist passiert?
Die EMA/HMA-Warnung vom Frühjahr 2026 stellt klar: Illegale GLP-1-Produkte werden zunehmend über betrügerische Websites und soziale Medien beworben. Sie sind nicht zugelassen, enthalten möglicherweise gar nicht den angegebenen Wirkstoff und können andere Substanzen in schädlichen Mengen enthalten. Die Behörden betonen, dass diese Produkte nicht die notwendigen Standards für Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit erfüllen und ein ernstes Gesundheitsrisiko darstellen.
Zeitgleich veröffentlichte die britische MHRA am 29. Januar 2026 ein Drug Safety Update (DSU), das die Produktinformationen für alle GLP-1-Rezeptoragonisten - darunter Semaglutid, Tirzepatid, Dulaglutid und Liraglutid - aktualisiert. Grund sind seltene, aber schwerwiegende Fälle von nekrotisierender und tödlicher Pankreatitis. Die Behörde ruft Ärzte dazu auf, bei entsprechenden Symptomen die Therapie sofort abzubrechen und nicht wieder aufzunehmen.
Welche konkreten Risiken bestehen?
- Fälschungen ohne Wirkstoff: Illegale GLP-1-Produkte können wirkstofffrei sein oder gefährliche Verunreinigungen enthalten.
- Fehlende Sterilität: Da GLP-1-Präparate injiziert werden, bergen nicht-sterile Produkte ein hohes Risiko für schwere Infektionen bis hin zur Sepsis.
- Pankreatitis-Risiko: Die MHRA berichtet von seltenen Fällen nekrotisierender und tödlicher Pankreatitis - auch bei Patienten, die GLP-1-Präparate ohne ärztliche Aufsicht einnehmen.
- Keine Qualitätskontrolle: Im Gegensatz zu zugelassenen Arzneimitteln durchlaufen illegale Produkte keine behördliche Prüfung.
Bereits im Dezember 2025 hatte die FDA vor gefälschtem Ozempic in der US-Lieferkette gewarnt - mehr dazu im bestehenden Scam-Alert-Beitrag. Auch die Semaglutid-Übersicht bietet Hintergründe zur Studienlage.
Was bedeutet das für Verbraucher?
Die EMA betont: GLP-1-Rezeptoragonisten sind verschreibungspflichtige Arzneimittel für ernsthafte Erkrankungen wie Diabetes und Adipositas. Sie sollten ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht und über legale Bezugsquellen (Apotheken) erworben werden. Der Online-Verkauf verschreibungspflichtiger Medikamente ist in vielen EU-Staaten nicht erlaubt. Ein gemeinsames EU-Logo auf Apotheken-Websites hilft, legale Anbieter zu identifizieren.
Hinweis: Dieser Artikel dient der Aufklärung und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Fragen zu GLP-1-Präparaten wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Quellen
- EMA/HMA: Warning about sharp rise in illegal medicines sold in the EUhttps://www.ema.europa.eu/en/news/warning-about-sharp-rise-illegal-medicines-sold-eu
- BASG (Österreich): Starker Anstieg illegaler Arzneimittel in der EUhttps://www.basg.gv.at/marktbeobachtung/amtliche-nachrichten/detail/starker-anstieg-illegaler-arzneimittel-in-der-eu-warnung-vor-gefaelschten-glp-1-rezeptoragonisten
- UK MHRA Drug Safety Update: GLP-1 and pancreatitis (Jan 2026)https://assets.publishing.service.gov.uk/media/697a35293c71d838df6bd3fb/DSU_GLP-1s_and_pancreatitis_for_publishing_29-01-26.pdf
- FDA: Warning on counterfeit Ozempic (Dec 2025)https://www.fda.gov/drugs/drug-alerts-and-statements/fda-warns-consumers-not-use-counterfeit-ozempic-semaglutide-found-us-drug-supply-chain
- Frontiers: Unmasking counterfeit semaglutide – EudraVigilance analysis (2026)https://www.frontiersin.org/journals/pharmacology/articles/10.3389/fphar.2026.1805842/full